Wolf & Galentz präsentiert in einer Einzelausstellung das groteske Werk von Gisa Hausmann.

Vernissage: Freitag, 15. November 2019 ab 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 16. November bis 18 Dezember 2019

Ausstellungsansichten

Die Künstlerin Gisa Hausmann ist […] eine der unbekannten Berühmtheiten Berlins. Sie ist ein Geheimtipp. (Gisela Breitling)

Gisa Hausmann hat sich im Laufe ihres Lebens (1942–2015) unterschiedliche künstlerische Ausdrucksmittel angeeignet: von der großformatigen Zeichnung und Druckgrafik über die Malerei, mit ihren vielen Verweisen auf Geschichte und Kunstgeschichte, bis hin zu digital bearbeiteten Drucken, darunter Arbeiten in der von ihr selbst erfundenen Technik Hapix-Set. Sie beherrschte diese Ausdrucksweisen meisterhaft; „ihre traumhaft sichere Technik“ nannte das Ulrich Pätzold, und Peter Reindl formulierte, Hausmanns „Sicherheit und Ausgewogenheit der Linienführung“ werde „nur noch übertroffen von der an japanische Farbholzschnitte gemahnende Sicherheit der Farbsetzung“.

Ein immer wiederkehrendes Element in ihrem Œuvre ist das Groteske: starke Überzeichnungen, manchmal an der Grenze zur Karikatur, in unterschiedlichen Sujets. Nach zwei postumen Einzelausstellungen von Gisa Hausmann, bei denen überwiegend Werke aus den letzten Lebensjahren der Künstlerin zu sehen waren, legt die kommende Ausstellung einen Schwerpunkt auf das Frühwerk der Künstlerin aus den 1960er- und 1970er-Jahren (Malerei, Radierung, Zeichnung und Skulptur); in den ersten Schaffensjahrzehnten der Künstlerin ist das Groteske vermehrt zu finden.

Ergänzt werden diese frühen Arbeiten von etwas späteren expressiven, politisch engagierten Papierarbeiten und schließlich mehreren Hommagen, die Gisa Hausmanns Lust an der Überzeichnung und manierierten Gestik bei kunstgeschichtlichen Vorgängerinnen und Vorgängern zeigt. An den Blättern aus der „Pompeji“-Reihe, an Keramiken und an dem unvollendeten Gemälde „Una Fiesta por Francisco Goya“ aus der letzen Serie „Göttinen – Frauen – und Anderes“ arbeitete Gisa Hausmann bis zu ihrem Tode 2015.

Die kommende Ausstellung bei Wolf & Galentz ist die erste in einer Reihe geplanter Sammlungsausstellungen mit Werken von Gisa Hausmann, deren künstlerischen Nachlass die Galerie betreut. Die Betonung der frühen Schaffensphase ist als Einstieg in die geplante Ausstellungsreihe zu verstehen, die sich an der Chronologie von Hausmanns Werk orientieren wird.

„Gisa Hausmann – das groteske Werk“ zeigt einige noch nie öffentlich präsentierte Werke und solche, die seit Jahrzehnten nicht mehr in Ausstellungen zu sehen waren.

Eine umfassende Retrospektive der Künstlerin und auch eine wissenschaftliche Aufarbeitung ihres Werks steht noch aus. Wir hoffen, mit dieser Ausstellung einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, Gisa Hausmanns Werk die Öffentlichkeit und die Anerkennung zu verschaffen, die es ohne Zweifel verdient.

Gisa Hausmann wurde 1942 in Krefeld geboren und begann bereits mit 14 Jahren ihre künstlerische Ausbildung an der Werkkunstschule Augsburg. 1964 eröffnete sie ebendort ihre eigene Galerie und erhielt 1968 den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg. Im folgenden Jahr zog sie nach Berlin um, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 leben sollte. Seit 1960 stellte sie ihre Werk regelmäßig im In- und Ausland aus.

Weitere Informationen: http://gisa-hausmann.de/werke.html

 

Berliner Kunstkalender

Die kleine Kunstsammlung in Form eines Kalenders

12 Künstler*innen | 12 Positionen

Berliner Kunstkalender
Kunstkalender
Kunstkalender

Der Berliner Grafikkalender

Seit über 20 Jahren erscheint der Berliner Grafikkalender regelmäßig in jedem Herbst. 12 Original-Grafiken von 12 namhaften Berliner Künstler*innen, handsigniert und nummeriert, ergeben jedes Jahr neu eine sehr vielfältige kleine Kunstsammlung in der Form eines Kalenders.

Die Grafiken können leicht von den Kalendarien getrennt und als Einzelblätter gerahmt, präsentiert oder verschenkt werden. Kurzvitae der Künstler finden Sie im Kalender.

Der Berliner Grafikkalender ist bis Ende des Jahres bei uns in der Galerie Wolf & Galentz erhältlich. Mit Ihrem Kauf unterstützen Sie ein Künstlerprojekt und erhalten 12 Original-Grafiken zu einem einmalig günstigen Preis.

Preis: 350 €

Auflage: 150 Exemplare

Format: 50 x 70 cm


Künstlerkalender 2020

Künstler*innen

  • Helmut Gutbrod (Hochdruck)
  • Jürgen Kellig (Linoldruck)
  • Wolfgag Rüppel (Siebdruck)
  • Paula Schmidt (Siebdruck C)
  • Christian Rothmann (Siebdruck)
  • Michael Bause (Siebdruck)
  • Ka Bomhardt (Lithographie)
  • Jochen Stenschke (PVC-Druck)
  • Helmut Metzner (Siebdruck)
  • Toni Wirthmüller (Siebdruck)
  • Patrick Huber (Graffiti/Offset)
  • Javis Lauva (Holzschnitt)
Abb. Andreeas Wolf, Aquarell

Am Dienstag , 26.  November 2019 gibt es ein weiteres Konzert in der Reihe „Soundscapes“ im Genre der Echtzeitmusik  bei Wolf & Galentz.

Hierzu laden wir Sie herzlich ein.
Einlass 19:30 Uhr, Beginn 20:15 Uhr

Musiker:

Matthias Bauer
Kontrabass

Michel Doneda
Sopran- und Sopraninosaxofon

Dag Magnus Narvesen
Schlagzeug

Harri Sjöström
Sopran- und Sopraninosaxofon


Echtzeitmusik ist freie Improvisation, bei der die MusikerInnen ohne jede vorhergehende Komposition, ohne Skript und Noten, zusammen spielen. Das Stück entsteht aus spontanen Einfällen aller. Das erfordert, damit sich ein Stück ergibt, ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit aller für die anderen und auch für den Raum und die Umgebung. Soundscapes. ist eine Konzertreihe, die internationale Strömungen der Echtzeitmusik präsentiert.

Aktuelle Ausstellung bei Wolf & Galentz: Gisa Hausmann – das groteske Werk

Weitere Informationen zum Thema Echtzeitmusik finden Sie unter.

http://soundscapesberlin.de

Abbildung: Detail Aquarell Andreas Wolf

Momentan gibt es keine Ausstellung bei Wolf & Galentz zu sehen.

Informationen zur kommenden Ausstellung finden Sie hier.


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreundinnen und -freunde,

wir wünschen Ihnen einen schönen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr 2020!

Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, einen kurzen Rückblick auf das erste Jahr Wolf & Galentz zu geben und auch einen Ausblick auf unser Programm im kommenden Jahr.

2019 Rückblick

Das erste Jahr unserer Galerie Wolf & Galentz war geprägt von internationalen Kooperationen.
In der Eröffnungsausstellung im April präsentierten wir Werke aus unseren eigenen Sammlungen aus Deutschland, den USA, Japan, Frankreich, Russland und Armenien.
Im Sommer hatten wir die Galerie LAVA Projects aus Los Angeles zu Gast.
Im Anschluss zeigte Susanna Gyulamiryan, die Kuratorin des armenischen Pavillons der diesjährigen Biennale in Venedig, ihr Projekt „Gespräche über Revolution und Macht“ in den Galerieräumen.
Im Herbst beteiligten wir uns an einem Austauschprojekt mit dem Museum für zeitgenössische Kunst Vojvodina, Novi Sad, wo wir selbst als Künstler unsere Werke im Oktober und November zeigen konnten, und präsentierten zwei Künstler aus in Novi Sad (Serbien) in unserer Galerie.
Die dann folgende Ausstellung, „Der Blick auf uns“ war als Gruppenausstellung dem Thema der Figuration gewidmet.
Im November gab es die erste Einzelausstellung in unserer Galerie. „Gisa Hausmann – Das groteske Werk“ mit Werken der 2015 verstorbenen Berliner Künstlerin war die letzte Ausstellung des Jahres.

2019 fanden auch drei Konzerte der Reihe „Soundscapes“ im Genre der Echtzeitmusik/Improvisation bei uns statt.

Dank

Wir möchten alle Gästen, Künstlerinnen und Künstlern, Kunstinteressierten und mit der Galerie verbundenen Freunden und Freundinnen für die anregenden Gespräche herzlich danken. Ein besondere Dank geht an unsere Mäzenin für die großzügige Unterstützung.

2020 Ausblick

Für das kommende Jahr haben wir mehr Einzelausstellungen konzipiert, darüber hinaus werden wir die internationalen Kooperationen weiter ausbauen und vertiefen. Eine thematische Ausstellung zu Kunst und Literatur ist in Planung und die Konzertreihe „Soundscapes“ wird fortgeführt.

Ausstellung Nr. 1, 2020
Wir freuen uns, Sie zur ersten Ausstellung im neuen Jahr mit dem Titel „Holzstich – Ausgewählte Druckgrafik aus Russland und Deutschland“ am Freitag, den 24. Januar 2020 einladen zu können und hoffen, Sie aus diesem Anlass in unserer Galerie begrüßen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen

Archi Galentz, Anna E. Wilkens und Andreas Wolf

 

Künstler*innen aus Novi Sad (Serbien) präsentieren fünf Tage lang ihre Werke in den
Projekträumen Prima Center, Spor Klübü und in der Galerie Wolf & Galentz.

Vernissage: Fr., 8. November  2019 ab 19 Uhr
Besondere Öffnungszeiten: Sa. 9.11. – Di. 12.11. von 14–18 Uhr

Künstler*innen:

Mileta Poštić, Radovan Jokić (Galerie Wolf & Galentz | Wollankstraße 112A, 13187 Berlin)

Monika Sigeti, Ana Novaković (Prima Center Berlin | Biesentalerstr. 24, 13359 Berlin)

Đula Šanta, Rade Tepavčević (Spor Klübü | Freienwalder Straße 31, 13359 Berlin)


Ausstellungsansichten:


Begleitprogramm

Deutsch-Serbischer Künstleraustausch zum Thema Migration

Empfang: So, 10.11.2019, 20 Uhr
Das Wer und Was des Künstleraustausches
Drei kurze Ansprachen / Begrüßungen von Gemeinde an der
Panke (evangelisch), Museum für moderne Kunst Novi Sad und
Kolonie Wedding
Sekt, Saft, Wasser und Schnittchen (Soldiner Kiez e. V.)
Ort: Fabrik Osloer Straße 12, 2. Hinterhof Aufgang B 1. Stock

Moschee-Führung in englischer Sprache: Mo., 11.11.2019, 20 Uhr
Beten, Bildung und soziale Arbeit und das Ankommen in der Fremde
Eine größere migrantische Moschee kennenlernen
Ort: Moschee Haci Bayram, Koloniestr. 128
Deutsch mit englischer Übersetzung

Vortrag: Di., den 12.11.2019, 19 Uhr
Die Geschichte des Soldiner Kiezes
Zuwanderung von Anfang an
Diana Schaal (Soldiner Kiez e. V.) in Englisch
anschließend Balkan-Party
Ort: Prima Center Berlin, Biesentaler Str. 24
English Speaker Welcome!


In Zusammenarbeit mit  Soldiner Kiez e. V, Kolonie Wedding e. V. und dem Museum Museum of Contemporary Art Vojvodina, Serbien

Abbildung: Mileta Poštić

Neun zeitgenössische Positionen zur Figuration

Wir laden Sie und Ihre Freund*innen herzlich zur Vernissage der Ausstellung Der Blick auf uns am

Freitag, 27. September, um 19 Uhr ein.

 

Öffnungszeiten: Montag 14–19 Uhr | Sonntag 19–23 Uhr
Ausstellungsdauer: 27. 9. – 29. 10. 2019

Künstler*innen

kuratiert von Andreas Wolf


Ausstellungsansichten:


Die Ausstellung „Der Blick auf uns“ versammelt Werke von neun zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit den Themen Figuration und Porträt beschäftigen.

Der Titel der Ausstellung spielt mit einer Verschränkung von Blicken. Der Blick von uns auf die von uns geschaffenen Kunstwerke, der Blick der Gesellschaft auf uns Kunstschaffende, der Blick der Kunstwerke und der Kunstschaffenden auf Menschen und Gesellschaft und der Blick der draußen an der Galerie vorbeiziehenden Menschen auf die, die sich darin befinden …

Die Darstellung von Menschen ist im künstlerischem Schaffen vielleicht das zentrale Thema schlechthin. Abbildungen von Menschen dienten zur Ehrung und Erinnerung der Abgebildeten, dies seit Jahrtausenden. Im heutigen Stadtbild findet man immer noch monumentale Abbildungen von Herrschern, Skulpturen und Bilder von Kriegshelden, berühmten Politikern, Gelehrten, Künstlern (meist alle männlich), Geflüchteten, Verbrechern, Wissenschaftlern und anderen der Gesellschaft wichtigen Menschen. Bilder von Menschen dienen als Vorbilder, als Wahrzeichen, als Symbole für Menschlichkeit, sie dienen der kollektiven Erinnerung und sind Mittel zur Aufrechterhaltung dieser Erinnerung.
Seit den 1960er-Jahren hat sich der Begriff des Körpers und die künstlerische Auseinandersetzung mit menschlichen Körpern sehr verändert, die Performancekunst hat den menschlichen Körper selbst als Kunstmaterial entdeckt, der Körper wurde Zielscheibe oder Hindernis, er wurde erweitert durch technische Mittel, wurde digitalisiert, montiert, zerlegt und wieder anders zusammengefügt.

Die Ausstellung bei Wolf & Galentz versammelt eine kleine Auswahl von unterschiedlichen zeitgenössischen künstlerischen Sichtweisen auf menschliche Körper. Ein Augenmerk bei der Zusammenstellung wurde auf die Materialvielfalt der Werke gelegt: Ton, Aquarell, Acryl, Holz, Knete, Wolle, Sprühfarbe, Siebdruck und Glas. Die Art, wie diese Materialen verwendet wurden, unterstützt bei manchen der Werke stark das dargestellte Thema. Bis auf das Video von Fritz Stier sind alle Werke nicht zeitbasiert, also in Ruhe.

Den präsentierten Werken dieser Ausstellung ist gemeinsam, dass Sie keine Körper in Interaktion abbilden. Bei manchen Werken sind Menschen nebeneinander collagiert worden, aber nie ist eine Interaktion dargestellt; die Figuren und Porträts bieten den Betrachtenden ein Gegenüber, ein Dialog entsteht zwischen Kunstwerk und Betrachtenden.

Die auf den ersten Blick fotografische Anmutung von Jovan Balovs Porträts lässt das Material erst bei näherem Hinsehen erscheinen. Mit einem sehr kleinen Pinsel hat er in pointilistischer Malweise diese Gesichter auf der Leinwand zum Vorschein gebracht. Grundlage seiner psychologisch analytischen Porträts bilden Treffen mit dem Modell und das Fotografieren von unterschiedlichsten Gemütsausdrücken. In einem sehr langsamen Arbeitsprozess werden diese verschiedenen Zustände dann in einem einzigen Porträt zusammengeführt. Durch diese hyperrealistische Malweise grenzen sich die Werke zur fotorealistischen Malerei ab, sie suchen, durch diese leichte Überhöhung, nach dem Wesen der Porträtierten.

Veronika Witte beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit dem menschlichen Körper, dem Phänomen der Identität als einer komplexen Konstruktion und mit dem Zusammenhang von Erscheinung, Form und Wesen. Witte gründete 2001 das fiktiven Institut für sozio-ästhetische Feldforschung und entwickelte zusammen mit dem Sozialwissenschaftler Bodo Lippl an der Humboldt Universität zu Berlin einen Fragebogen, der die Basis für ihre künstlerische Feldforschung bildet; die Interviewten werden nach dem eigenen subjektiven Empfinden, Zukunftsvorstellungen zu ihrem Körper, nach den zu erwartenden sozialen Entwicklungen und auch nach der Zukunft des Menschlichen generell befragt. Die Ergebnisse der Umfrage bilden die Grundlage der künstlerischen Auseinandersetzung zum Verhältnis zwischen eigenem und fremdem Körper. Die Skulpturen, „Ghosted Bodies“, sind eines der Ergebnisse dieses Prozesses.

Ekkehard Vree schafft lyrisch anmutende Tuscheporträts, durch teilweise spontan, teilweise bedacht gesetzte Farben und verzeichnete, zu freien Formen verlaufende Kleckse. Dem im südhessischen Viernheim lebenden und arbeitenden Maler und Zeichner gelingt es mit mutig realitätsferner Farbgebung und zögerlicher Linienführung das erstaunliche Faszinosum einer wahrhaftig intimen Begegnung mit den porträtierten Menschen.

In dem Video „In Between“ von Fritz Stier hängen Menschenpaare baumelnd an der Deckenkante, nur mit ihren Händen klammern sie sich an etwas, das sich außerhalb des Bildraums befindet und so der Imagination offen ist. Die Personen schweben so lange im Bild bis sie sich nicht mehr festhalten können und fallen nach unten.

In Ute Lindners Werkreihe „Through the Looking Glass“ wurden Menschen von vorne und von hinten porträtiert und die entstandenen Bilder mit Siebdruck auf je zwei durchsichtige Glasplatten appliziert. Diese Glasplatten wurden dann mit den bedruckten Seiten nach außen übereinandergeblendet.
Christoph Kivelitz schreibt darüber: „Nicht die Gleichzeitigkeit der Spiegelsituation ist Gegenstand der Darstellung. Vielmehr sind zwei zeitlich differente Ansichten ein- und derselben Person räumlich versetzt so aufeinander bezogen, dass nur der Eindruck einer Selbstbetrachtung entsteht. Akzentuiert wird dadurch die Ambivalenz des Blicks, der auf sich selbst und gleichermaßen auf Betrachtende beziehungsweise Künstlerin ausgerichtet sein kann.“ Mit dieser Bildnisgruppe nimmt Ute Lindner Bezug auf eine grundlegende Eigenschaft der Fotografie, die sich als lichthafter Abdruck von Wirklichkeit verstehen lässt. Wie einer Ikone wird der lichtempfindlichen Oberfläche das Erscheinungsbild der Porträtierten eingezeichnet, um diese als Spur zu vergegenwärtigen, immer aber auch deren substantielle Abwesenheit vor Augen zu führen.

Edvardas Racevičius, der Litauen geboren und aufgewachsen ist, hat lange Zeit die traditionelle Ikone des katholischen Litauens geschnitzt – den trauernden Christus (lit.: rūpintojėlis). In den Holzskulpturen, die Racevičius seit einigen Jahren erschafft, ist der Sockel direkt mit der Figur verwachsen, der Mensch ist mit dem Baum verbunden und der Baum mit der Erde. Die Massivität des Stammes ist beinahe erschreckend, sie verdeutlicht die Proportionen von Natur und Mensch und das Hineinwachsen der Menschen in ihre Umwelt. Der moderne Litauer kann mit dem iPod in den Ohren umhergehen, die Beine sind aber immer noch hölzerne Klötze. Diese Arbeiten sind Zeugnisse der Mentalität eines Volkes, das lange Zeit die Erde bearbeitet und die Natur wie ein Buch gelesen hat.

Marc Haselbach zeigt in der Ausstellung einige seiner Bronzeköpfe. Die Werke zeichnen sich durch starke Abstraktion aus. Das, was uns Menschen sicherlich mit am häufigsten unter die Augen kommt, ein Kopf als Gegenüber – wird hier in einen abstrakten Raumkörper übersetzt, der uns einlädt die neu geschaffenen Formen zu umkreisen und zu interpretieren. Kennen wir diese Köpfe oder erscheint uns da etwas Neues im Bekannten? Die sowohl archaisch anmutenden und gleichzeitig in der Form hoch ästhetischen Köpfe erinnern entfernt an die rätselhaften Skulpturen der Osterinseln, an Kubismus, an etwas gleichzeitig Verschlossenes wie Offenes. Einzig die Oberfläche der Skulpturen – eine feine, an Holzmaserung erinnernde Oberfläche – ist eindeutig zu interpretieren und verweist auf die Herstellung der Bronze.

Auf dem handgewebten Wandteppich „Battlefield Shaping“ von Kata Unger hängt ein Mensch kopfüber nach unten. Eine Guy-Fawkes-Maske sitzt verkehrt herum auf dem Hinterkopf der Figur. Die Maske scheint uns anzublicken, gleichzeitig schaut die dargestellte Figur in die entgegengesetzte Richtung ins Bild hinein. Im unteren Teil des psychedelisch, dadaistisch anmutenden Bildraums steht „Fuck the Illusion“. Sollen wir der Illusion nicht trauen, die sich uns hier zeigt? Die Bedeutung bleibt, wie die abgebildete menschliche Figur, in der Schwebe.

Der Begriff Key Looks ist der Titel einer ebenfalls von Kata Unger gezeigten Werkreihe mit Porträts, die in ihrer starken Farbigkeit und Reduktion Elemente aus Malerei, Comic und Zeichnung vereinen. Die Augenpartien sind stark hervorgehoben, es scheint, dass bei manchen der Werke der Blick alles andere überstrahlt. Als seien sie lebendig geworden und die Aura des jeweiligen Blicks dann in den Porträts magisch festgehalten. Manche Menschen sollen in den Porträts schon Freunde erkannt haben.

Henrik Jacob überknetet Fotos mit schwarz-weißer Modelliermasse und lässt die Motive auf diese Weise in den Raum wachsen. Die Größe seines Daumenabdrucks bestimmt die Pixelgröße, was den Bildern eine beunruhigende Unschärfe verleiht. Durch die Veränderbarkeit des formbaren plastischen Materials arbeitet der Künstler an einer Art Antikunstgeschichte, die die Bedeutung des künstlerischen Endprodukts hinterfragt.
In der Ausstellung bei Wolf und Galentz wirft Henrik Jacob einen erweiterten Blick auf den menschlichen Körper. Dabei überknetet er Motive von Skulpturen, japanischen humanoiden Robotern oder gleich den Bodybuilder aus der Nachbarschaft. Die Knetbilder changieren zwischen Bild, Objekt und Skulptur, treten körperlich präsent an die Betrachtenden heran, um sich bei näherem Hinsehen wieder in grauen Pixelwolken aufzulösen.

Komplettiert und koloriert wird die skurrile Sammlung schwarz-weiß-grauer Körperdarstellungen durch eine Handvoll abstrakt anmutender Farbstudien in Aquarell. Die Farbstudien, die wie zufällig auf das Papier geraten erscheinen, haben ihren Ursprung in den quietschbunten Titelseiten der deutschen Regenbogenpresse. Henrik Jacob hat die grenzwertige Farbgebung und Komposition einfach übernommen und von Inhalten befreit auf Büttenpapier übertragen. So entsteht ein anderer Blick auf uns, einer der anzieht und abstößt zugleich.

In der Ausstellung geht es um uns Menschen. Und so blicken uns die Kunstwerke an, offen für den Dialog mit uns.

 

Abbildung: „In Between“, Ausschnitt Videostill von Fritz Stier

 

about-revolution-and-power

Wir freuen uns sehr, dass wir Susanna Gyulamiryan, die Kuratorin des armenischen Pavillons der diesjährigen Biennale von Venedig gewinnen konnten, bei Wolf & Galentz ihr Projekt „Gespräche über Revolution und Macht – Stimmen queer-feministischer Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen und feministische Kunst aus Armenien“ zu präsentieren.

Archi Galentz, Andreas Wolf

Vernissage: Mittwoch, 14. August 2019

Ausstellungsdauer: 14. August – 15. September 2019 Weiterlesen

-filmshot -Edwin-Dickman

Führung durch Kunsträume

Im Rahmen des internationalen Austauschürojekts B-LA_Connect werden verschiedene Führungen zu allen Kunsträumen organisiert.

Führung (Tour III) startet am

  • Samstag, 22. Juni, 12 Uhr

bei Wolf & Galentz.

Besucht werden folgende Räume: Wolf & Galentz, rosalux,
COPYRIGHT/ kronenboden/ uqbar, L’oiseau présente & Botschaft, panke.gallery

Finissage mit Kaffee und Kuchen nach dem Rundgang bei COPYRIGHT.

 

 

Abbildung:

Filmstill

Das Urteil des Paris, 1964

nach dem Buch von Edwin Dickman

Produktion: Klaus Märtens

 

 

Soundscapes 21

So., 16. Juni 2019

Einlass 19:30 Uhr, Beginn 20:15 Uhr

Musiker:

  • Alexander Frangenheim, Kontrabass
  • Guilherme Rodrigues, Cello, Taschentrompete
  • Michel Doneda, Sopransaxofon
  • Harri Sjöström, Sopran- und Sopraninosaxofon

Eintritt: auf Spendenbasis


Michel Doneda hat im Laufe von Jahrzehnten eines der umfangreichsten musikalischen Vokabulare in der freien Improvisation entwickelt. Als Sopransaxofonist bewegte er sich allmählich vom links geprägten Jazz in Richtung der freien Improvisation, nachdem er in den frühen Achtzigerjahren mit eigenen Sessions angefangen hatte. Sein Spiel ist abwechselnd lyrisch, spielerisch, oder schräg; sein Repertoire reicht von der Ausgelassenheit der Straßenmusik über zirkuläre Atmung, minimalistische/mikroskopische Klängen zu schrill-lauten Ausbrüchen.

Über die Jahre ist er besonders häufig mit dem Sänger Beñat Achiary, Percussionist Lê Quan Ninh, Drehorgelspieler Dominique Regef und Bassist Barre Phillips aufgetreten.

Doneda (* 1954) begann mit 15 in der Blasmusikkapelle seiner Heimatstadt zu spielen, im darauffolgenden Jahrzehnt spielte er in Tanz- und Jazz-Bands, während er sich bereits ein intensives Interesse für die französische Musik der Avantgarde entwickelte, besonders für die US-Amerikaner Steve Lacy und Alan Silva. Im Jahr 1980, inzwischen in Toulouse, gründete er seine erste eigene Band, Hic et Nunc, mit Steve Robbins und Didier Masmalet, ein Trio, von dem keine Aufnahmen existieren. Ungefähr zur gleichen Zeit kam er auch in Kontakt mit Straßentheater und wurde Mit-Begründer des Institut de Recherches et d’Échanges Artistiques. Für den kreativen Ausdruck nichtinstitutionalisierter Szenen („aus dem Volk“) und Austausch mit Straßenperformer*innen, Schauspieler*innen und Dichter*innen interessiert und engagiert er sich seither, insbesondere in den Achtzigerjahren.
http://www.efi.group.shef.ac.uk/mdoneda.html

Alexander Frangenheims Spiel bewegt sich mit fantastischer Anmut zwischen Extremen – zwischen raumfüllendem Schlagen, Klopfen und Dröhnen und zarten Klängen bis hin zur (fast-)Stille, zwischen den höchsten und den tiefsten Tönen, spielerischer Geschwindigkeit und Getragenem – während er, wie alle Musiker*innen der freien Improvisation, das Repertoire der seinem Instrument möglichen Töne stets erweitert.

Alexander Frangenheim

Alexander Frangenheim

(* 1959 in Wuppertal) arbeitete nach klassischer Kontrabass-Ausbildung seit den späten 1980er-Jahren im Bereich der freien Improvisation. Er hat mit vielen Musiker*innen der internationalen Szene zusammengespielt. Alexander Frangenheim war acht Jahre lang Mitglied im Ensemble Zeitkratzer. Er ist unter anderem mit Metal Machine Music (von und mit Lou Reed) alva noto, Merzbow, Lee Ronaldo, Elliott Sharp und weiteren aufgetreten. Von 1995 bis 2005 unterrichtete er experimentelle Musik und Klang-Performance an der Kunstakademie Stuttgart. Seit 2005 lebt Frangenheim in Berlin. Er hat mit studioboerne45 einen herausragenden Produktionsort und ein Aufnahmestudio für die freie Szene geschaffen, an dem er seit 2012 concepts of doing – Festival Zeitgenössische Musik fortgeführt hat.

 

 

 

Guilherme Rodrigues (* 1988 in Lissabon) ist Cellist, Improvisator, Soundforscher und Komponist. Er lernte Cello und Trompete im Alter von sieben Jahren im Orquestra Metropolitana de Lisboa und später im Conservatório Nacional de Música de Lisboa, wo er bis zu seinem 23. Lebensjahr klassische Musik und Musiktheorie studierte.
Neben der Arbeit in Musikensembles für Neue Musik freie Improvisation hat Rodrigues Musik für Tanz, Theater, Radio, Fernsehen und Stummfilm komponiert. Lebt derzeit in Berlin.

Harri Sjöström gehört zu den herausragendsten Composer-Performern weltweit. Sein Spiel enthält sowohl aktuelle, zeitgenössische Arten und Weisen der Klangerzeugung als auch melodiös-lyrische Elemente, vielleicht inspiriert von Vogelsang. Er verwendet verschiedene Dämpfer (selected mutes), teils zweckentfremdete Gegenstände, die es ihm erlauben, in einen Dialog mit sich selbst zu treten. Die tiefen Töne klingen durch den Dämpfer wie eine Trompete, das ist die eine Stimme des Dialogs, die andere sind die höheren mit dem normalen Saxofon-Sound.

Sjöström (* 1952 in Finnland) spielte Klavier und Gitarre in seiner Jugend. Später fand er seine musikalische Stimme auf dem Sopran- und Sopraninosaxofon. Er studierte Musik und Kunst in San Francisco in den 1970er-Jahren, was zu seiner Teilnahme an Workshops von John Cage, Vinko Globokar, George Russell und Bill Dixon führte und zu seinem Saxofonstudium bei Leo Wright und Steve Lacy. Nach seiner Rückkehr nach Europa 1978 spielte er mit Derek Bailey, Paul Lovens, Paul Rutherford, Reggie Workman (unter anderen) und begann schließlich eine langfristige Zusammenarbeit mit Cecil Taylor an vielen Projekten, darunter die Veröffentlichng von fünf kleinen Aufnahmen. Er hat auch Filmmusik komponiert und fotografiert immer noch.

Harri Sjöström ist der Initiator und künstlerische Leiter der Konzertreihe Soundscapes.
http://soundscapesberlin.de

http://www.harrisjostrom.com

Photo: Pat Lugo